Kontroverse um neue SNF-Publikationsförderung

In diversen Medien und Internet-Blogs ist eine Kontroverse zu der neuen Publikationsförderung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) entbrannt. Diese sieht vor, dass ab dem 1. Juli 2014 Buchpublikationen nur noch unterstützt werden, falls diese digital und Open Access (nach 24 Monaten) erfolgen, vorausgesetzt, dies wird nicht durch unüberwindliche rechtliche oder technische Hindernisse verunmöglicht (z.B. Bildrechte). Der SNF übernimmt die Kosten für die Druckvorstufe, d.h. «Satz, Layout, Bildrechte, Bildbearbeitung, Lektorat/Korrektorat und Digitalisierung«, und setzt maximale Pauschalbeträge fest. Werden keine Publikationsbeiträge durch den SNF beansprucht, sind die Forschenden frei «für Open Access nicht freigegebene Publikationen zu wählen.»

Hier eine Auswahl der verschiedenen Debattenbeiträge zur neuen SNF-Regelung (chronologisch):

16. April SNF: Neue Publikationsförderung

28. April Petition: Akademische Verlage in der Schweiz in Gefahr

6. Mai SNF: Klärung bzw. Stellungnahme zur Petition

7. Mai St. Galler Tagblatt: «Ein Schlag ins Gesicht» HSG–Prorektorin Ulrike Landfester

8. Mai St. Galler Tagblatt: «Unter Druck setzen und Geld sparen» St. Galler Historiker Stefan Sonderegger

12. Mai wisspub.net: Schweizer Verlage – Das letzte Aufbäumen vor Open Access

19. Mai NZZ: «Das geisteswissenschaftliche Buch im digitalen Zeitalter» von HSG-Professor Caspar Hirschi

Allgemeines zu Open Access beim Schweizerischen Nationalfonds Dossier Open Access und auf der Plattform open-access.net und zu den Geisteswissenschaften in schwieriger Position (NZZ).

Update vom 21.5.2014:

Im Ständerat des Schweizer Parlaments wurde am 3. März 2014 eine Interpellation an den Bundesrat eingereicht: «Open Access: eine Bedrohung für das Verlagswesen?» (danke an Christian Gutknecht für den Hinweis.)

Update vom 27.5.2014:

Der Bundesrat hat auf die Interpellation im Ständerat betreffend Open Access als Bedrohung für das Verlagswesen (siehe oben) geantwortet. Er unterstützt die neue Publikationsförderung des SNF und verweist auf die breite europäische und internationale Abstützung bei anderen Forschungsförderinstitutionen.

21. Mai Antwort des Bundesrates auf Interpellation

Die Antwort des Bundesrates wird noch in einer Kommission (unter Ausschluss der Öffentlichkeit) behandelt und danach im Ständerat beraten. Gemäss dem vorläufigen Sitzungsprogramm für die Sommersession 2014 diskutiert der Rat die Interpellation am Montag, 16. Juni, am Nachmittag.

Der Bundesrat verweist in seiner schriftlichen Antwort auf zwei weitere, bereits länger zurückliegende Vorstösse:

2007 Interpellation «Zugänglichkeit öffentlicher Forschungsarbeiten. Open Access»

2008 Motion «Forschungsergebnisse sichern und zugänglich machen»

(danke an Nicolas Sartori, Dirk Verdicchio und Christian Fuhrer für die Hinweise.)

Über das laufend aktualisierte Blog-Posting von Christian Gutknecht noch zwei Beiträge aus der NZZ gefunden, bereits mit einigen Kommentaren versehen. Die jeweiligen Überschriften der Artikel erfüllen ihre Funktion, das zu Erwartende bereits zusammen zu fassen:

23. Mai NZZ: «Gute Bücher benötigen Zeit und Papier» von Michael Hagner, Professor für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich

27. Mai NZZ Feuilleton: «Der Nationalfonds kapituliert» von Uwe Justus Wenzel

Update vom 3.6.2014:

NZZ Campus bringt einen Artikel zum Thema Doktorat, Open Access und Publikationsförderung durch den SNF (danke für den Hinweis an Barbara Hirschmann von der ETH Bibliothek):

2. Juni NZZ Campus: «Ich drucke, also bin ich» von Robin Schwarzenbach

Ruedi Lindegger
Verantwortlicher Forschungsplattform Alexandria

 

1 thought on “Kontroverse um neue SNF-Publikationsförderung

  1. Pingback: Petition gegen SNF-Förderstrategie, Buch in geisteswissenschaftlichen Subventionsverlagen etc. | philosophie-bib

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